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Anschlag auf syrisch-orthodoxes Kloster Mor (St.) Jakob in Nusaybin
Geschrieben von: Martina Ürek   
Freitag, den 16. Juli 2010 um 21:28 Uhr

In Nusaybin, in der Kirchengeschichte und in der Antike als Nsibis bekannt, wurde ein Anschlag auf das 1700 Jahre alte Kloster Mor (Sankt) Jakob verübt. Im Kloster wohnt eine syrisch-orthodoxe Familie, die sich um das Kloster kümmert. Mit grüner Sprayfarbe wurde an den Außenwänden des Klosters Zitate aus dem Koran und „Zionistenhunde“ geschrieben. Dieser Vorfall sorgte für großen Aufruhr in den türkischen Online und Printmedien

 

Auch im Gerichtsprozess gegen das Kloster Mor (St.) Gabriel ist vor dem höchsten staatlichen kein Urteil gefällt worden, so auch der gestrige Verhandlungstag, der ohne Bekanntgabe eines neuen Termins vertagt wurde. Der Stiftungsvorsitzende des Klosters Mor (Sankt) Gabriel Kuryakos Ergün ist angeklagt, für das Kloster in der Nähe Midyat in der Südosttürkei eine illegale Schutzmauer errichtet zu haben.

 

Kurdische Bauern haben im Herbst 2008 geklagt, da das Kloster angeblich auf den Grund ihrer Ackerböden stehe. Das Kloster ist seit dem 4. Jahrhundert im Besitz der syrisch-orthodoxen Kirche. Die Prozesse, die erst in vor dem Kreisgericht in Midyat stattfanden, wurden nach Ankara vor den staatlichen Gerichtshof verlegt.

 

Der türkische Premierminister Erdogan versprach 2005 den syrisch-orthodoxen Christen, Schutz und Sicherheit, wenn sie in ihre Dörfer (in den Turabdin- Gebiet der syrisch-orthodoxen Kirche) zurück kehren. Die Christen kehrten zurück, nur konnte Erdogan seine Versprechen nicht einhalten.

 

Martina Ürek

 

 

Bildquellen:

Nusaybin, Kloster Kirche St. Jakob

www.radikal.com.tr

 

 
Mor Gregorius Melke Ürek zu Gast in Uhingen
Geschrieben von: Martina Ürek   
Sonntag, den 16. Mai 2010 um 21:02 Uhr
Syrisch-orthodoxer Erzbischof von Adiyaman, Malatya und Iskenderun besucht bei seinen Deutschlandaufenthalt syrisch-orthodoxe Gemeinden in Uhingen bei Göppingen

Im Uhinger Gemeindesaal ist es still. Mor Gregorius Melke Ürek berichtet von seinen Vorhaben in Adiyaman. Bauen, renovieren und restaurieren möchte er, denn die Kirche St. Petrus und Paulus hat durch ein Erdbeben in den letzten zwei Jahren erheblichen Schaden erlitten. Dazu kommt noch ein erheblicher Platzmangel, da das Kirchengrundstück, auf dem die Kirche seit dem 4. Jahrhundert steht nicht erweiterbar ist. Die Grundstücke in der nächsten Umgebung stehen nicht zum Verkauf, bzw. sind nicht erschwinglich für die kleine Gemeinde in Adiyaman und Umgebung.

 

So ist das Wohnhaus in dem er untergebracht ist aus Lehm errichtet worden und droht nun einzustürzen. Er musste bereits das Gebäude räumen und sich ein Zimmer zur Miete suchen. Das Personal der Klosterkirche bestehend aus einem Mönch, einer Nonne und einem Lehrer, sowie 10 Klosterschülern ist außerhalb der Klosterkirche in Wohnungen untergebracht. Als Audienzsaal, berichtet Mor Gregorius Melke Ürek weiter, dient ein Tisch und einem Walnußbaum, alle sonstigen Aktivitäten müssen in der Kirche stattfinden, die ebenfalls durch mehre Erdbeben einsturzgefährdet sind. Ein lebendiges Gemeindeleben ist so gut wie nicht möglich, da die nötigen Räumlichkeiten fehlen.

 

Unterstützung für seine Bauprojekte erhält der engagierte Erzbischof von vielen Kirchengemeinden in Deutschland. So ist seit diesem Jahr eine große syrisch-orthodoxe Kirchengemeinde in Nord-Rhein-Wesfalen die Partnergemeinde von St. Petrus und Paulus in Adiyaman. Große Wertschätzung kommt auch von den Göppinger Kirchengemeinden St. Ephrem und St. Jakob mit den Priestern Habib Önder und Melke Teber, der Kirchengemeinde St. Markus den Kirchengemeinden in Ahlen und Pfullendorf, deren Priester Petrus Kaya und Isa Gharib in Uhingen mit ihren Vorständen anwesend sind.

 

Mor Gregorius Melke Ürek berichtet den interessierten Zuhörern von seinen Schwierigkeiten mit der muslimischen Gemeinde vor Ort, weiß aber auch lobenswertes zu berichten. So war der Govenor von Adiyaman sofort bereit, dem Erzbischof und seiner Gemeinde eine Baugenehmigung zu erteilen. Auch das Zusammenleben zwischen der christlichen Gemeinde mit 150 Familien über Zentralanatolien verteilt und den muslimischen Nachbarn gestaltet sich einigermaßen harmonisch.

 

Martina Ürek

 
Die kleine Raupe Nimmersatt trifft auf Hzay u Ilaf
Geschrieben von: Martina Ürek   
Freitag, den 30. April 2010 um 12:46 Uhr
Havo Akyüz und Martina Ürek

Martina Ürek (MÜ): Havo, du bist die Initiatorin und Mitübersetzerin des Buches „die kleine Raupe Nimmersatt“ erzähl uns doch mal kurz, wie du auf die Idee gekommen bist, einen Klassiker unter den Kinderbüchern zu übersetzen?

Havo Akyüz (HA): Die Idee dazu, ein syrisch-aramäisches Kinderbuch zu übersetzen hatte ich schon lange. Durch meinen Beruf als Erzieherin weiß ich, wie nützlich Kinderbücher für die Sprachentwicklung sind. Als gelernte Erzieherin habe ich in meinen Gruppen im Kindergarten einige aramäisch-sprechende Kinder gehabt und so habe ich die Bücher, die ich den Kindern auf Deutsch vorgelesen habe, parallel und intuitiv auf aramäisch übersetzt. Dadurch habe ich erfahren, wie förderlich Zweisprachigkeit ist und welche Bereicherung unsere aramäische Muttersprache für die Zweitsprache Deutsch ist. Die Erfahrungen und Beobachtungen, die ich gemacht habe, decken sich mit den theoretischen Sprachwissenschaften.

 

MÜ: Warum gerade die „kleine Raupe Nimmersatt“?

HA: Es ist ein besonders faszinierendes Buch für Kinder, weil es zum einen, einen natürlichen Prozess beschreibt – von der kleinen Raupe bis zum Schmetterling und zum anderen auch die Fantasie der Kinder anregt.

(MÜ) Vor allem die wunderbaren Zeichnungen in diesem Buch.

(HA) Es ist das Gesamtpaket was dieses Buch ausmacht. Gestalterisch, fantastisch und naturwissenschaftlich.

(MÜ) Es war mein Lieblingsbuch im Kindergarten.

(HA) Das kann ich nur bestätigen. Als Pfarrer Aziz Akyüz in seiner Predigt an einem Sonntag den Werdegang einer Raupe metaphorisch mit den neuen Leben verglich, war mir klar, das kann kein Zufall gewesen sein. So bin ich bei dieser Idee geblieben und wie man sehen kann, hat es funktioniert.

 

(HA) Martina, du hast ein wunderbares Spiel auf den Markt gebracht, Hzay u Ilaf mit vielen Übersetzern im Hintergrund. Als ich von diesem pädagogisch wertvollen Spiel hörte, war ich einfach fasziniert. Als ich dieses Spiel bestellte und schließlich in den Händen hielt, führte ich es mit meinen Nichten und Neffen ein. Ich war von der positiven Wirkung des Spiels sehr überzeugt. Vor allem, was für eine Sprachfreude es in den Kindern hervorruft. Sie gehen bewusster mit dem Thema Sprache um - und das, ohne erhobenen Zeigefinger-. Erzähl doch mal, wie du auf die Idee kamst, dieses Spiel herauszubringen.

(MÜ) Die Idee mit dem Spiel entwickelte sich auf Umwegen. Eigentlich wollte ich ein wirtschaftliches Planspiel herausbringen, zugeschnitten mit den Bedürfnissen der Menschen im Turabdin, damit diese lernen mit Geld umzugehen. Kollegen von mir waren Planspielentwickler, daher der Gedanke.

Irgendwann kam mir der Einfall, dass ein Lernspiel das im muttersprachlichen Unterricht und zu Hause zum Einsatz kommen kann, das Richtige ist. So habe ich dann an einem Morgen um vier Uhr an einem Tag Figuren ausgesucht, sie ausgeschnitten und auf Karton aufgeklebt und die Worte darunter geschrieben. Testperson war mein jüngster Bruder, dem ich das Ganze dann zeigte, dieser war total begeistert. Bei uns zu Hause wird viel deutsch, aber auch syrisch-aramäisch gesprochen. Mir ist es sehr wichtig, dass beide Sprachen gleichermaßen gefördert werden.

(HA) Wird denn bei euch zu Hause auch diese „Mischsprache“ bestehend aus Deutsch und Aramäisch gesprochen?

(MÜ)Das lässt sich nicht vermeiden, denn unserer Sprache fehlen die modernen Worte. Mit meinem Spiel habe ich versucht, solche Worte wie „Shakale“ mit unserem suryoyo-kthobonoyo Wort „Msono“ zu ersetzen und diese dann auch im Alltag zu verwenden.

(HA): Meine Erfahrung mit deinem Spiel ist, es macht Kinder bewusst darauf aufmerksam mit ihrer Sprache und ihrer Kultur umzugehen und das alles auf einer natürlichen, spielerischen Art und Weise.

MÜ: Wir haben leider in unserem muttersprachlichen Unterricht nur veraltete Werke zum unterrichten. Cano Isler hat zwei neue Werke auf den Markt gebracht und darin sehe ich die Zukunft. Seine beiden Bildwörterbücher eines für die Nomen und eines für die Verben kennzeichnen die Worte auf Deutsch, Englisch und syrisch-aramäisch. Diese sollten wir für unseren muttersprachlichen Unterricht einsetzen, zusammen mit dem Spiel und auch mit deinem Buch. HA: Ich glaube, man kann aus diesen alten Büchern schöpfen . Sie können als Grundlage für weiteres fundiertes Lehrmaterial dienen und sind somit eine Bereicherung zum Erhalt und zur Förderung unserer syrisch-aramäischen Sprache. MÜ: Das denke ich auch, trotzdem sollten die Inhalte mit peppigen Illustrationen aufgefrischt werden.

 

MÜ: Kannst du aus deinem Umfeld von Erfahrungen berichten, die du mit deinem Buch und dem Spiel gemacht hast?

HA: Die Kinder schaffen einen Bezug zu deinem Spiel Hzay u Ilaf und dem Buch der kleinen Raupe. Die Figur des Schmetterlings „Tiloyto“ ist bei uns in der Familie der absolute Renner. Wer die „Tiloyto“ hat, der hat das ganze Spiel gewonnen. Der Schmetterling ist in dem Buch der kleinen Raupe die Hauptfigur und ist daher auch so begehrt. Die Kinder haben bei dem Spiel Hzay u Ilaf die Variante entwickelt, eine Karte zu ziehen und dazu Fragen zu stellen. Eine Art Rätselspiel. Ein Kind beschreibt die abgebildete Figur und die anderen müssen sie erraten. Es wird nie langweilig mit dem Spiel. Letzte Woche hat eine meiner Nichten zu mir gesagt: Danke Tante, das du uns das Spiel geschenkt hast und uns das Buch zur Verfügung stellst. Meine Nichten und Neffen spielen jetzt das Spiel alleine und korrigieren sich selber, wenn Fehler auftauchen.

 

MÜ: Wie ich von deinem Buch hörte, habe ich beschlossen, es sofort zu bestellen und mit dir in Kontakt zu treten, was ja dann auch passiert ist. Es war toll zu sehen, das hinter der Geschichte, eine junge aktive Frau steht, was ja eher selten ist, in unserer von Männern dominierten Kirche und Gesellschaft.

HA: Ich habe noch nie erlebt, dass ich diesbezüglich irgendwie gehemmt worden bin, etwas nicht zu machen. Es liegt an einem selber. Wenn man etwas tatsächlich verwirklichen will, bekommt man es auch hin.

MÜ: Das kann ich nur bestätigen.

 

MÜ: Wer hat dich auf deinem Weg, dieses Buch zu übersetzen unterstützt?

HA: Ganz besonders meine Brüder Pfarrer Aziz und Stefan Akyüz, die wirklich jeder Zeit bereit waren mich zu unterstützen. Mit Ideen, finanziell, bei der Übersetzung und Anschreiben die ich formulieren musste. Auch von meiner restlichen Familie. Wenn ich jemanden brauchte, dann habe ich Unterstützung bekommen. Ganz besonders bin ich Gott dankbar und allen Menschen bzw. Institutionen, die mir bei der Verwirklichung dieses Projektes geholfen haben. Die Stiftung zum Erhalt und zur Förderung des aramäischen Kulturerbes in Berlin, die Fundatio Nisibinensis, die Evangelische Hochschule Ludwigsburg und die Gemeinde Kirchardt haben mich in diesem Projekt ideell, finanziell und organisatorisch unterstützt. Die Gemeinde Kirchardt in der ich lebe hat mich besonders unterstützt. Bei der Buchpräsentation war Bürgermeister Rudi Kübler aktiv dabei, er hat die Ansprache gehalten. Die Gemeinde hat zudem einen Großteil der Organisation übernommen. Die Kindergartenkinder der Gemeinde Kirchardt haben den Abend der Buchpräsentation mit einem "Raupenlied" eingeführt. Der Schluss wurde von syrisch-aramäischen Kindern mit einem aramäischen Raupenlied "U moschuto dlo swoho weino" abgerundet. Es war eine sehr gelungene zweisprachige Buchpräsentation, die meine Erwartungen bei weitem übertroffen hat. Es ist ein tolles Feedback für eine gute Sache.

HA: Ich kann mir vorstellen, dass du bei der Entwicklung des Spiels einige Schwierigkeiten hattest, die du überwinden musstest. Bild und Text passend auf ein Kärtchen zu bekommen, war sicher nicht so einfach.

MÜ: Die Umsetzung der Bilder war das einfachste an der ganzen Geschichte. Wir haben Jaime Portaleoni, einen spanischen Künstler damit beauftragt Motive, die ich mit zwei Erzieherinnen zusammen ausgesucht hatte, zu zeichnen. Jaime hat die Bilder handgezeichnet und wir haben diese dann eingescannt und unsere Grafikerin Alexa Lindig hat diese noch bearbeitet, damit sie im Druck auch schön klar raus kommen. Mit den Worten war das etwas schwieriger. In der Grundfassung hat mir Yuhanun Garis von dem Kloster Mor Gabriel geholfen. Josef und Malfono Sami Önder haben diese Worte Korrektur gelesen, mehrere Male bis Alexa Lindig sie dann passend unter die Bilder gesetzt hat. Vielen Dank hier an die Menschen, die mich dabei unterstützt haben, sei es das Media Center Stuttgart finanziell, das positive Feedback der Familie und der Freunde von nah und fern. Ein tolles Gefühl sich auf diese Menschen verlassen zu können.

 

MÜ: Es ist doch ein tolles Gefühl, das fertige Projekt in den Händen halten zu können.

HA: Ich habe es erst glauben können, als ich das fertige Buch in den Hand gehalten habe.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, man hält seine eigene Idee in den Händen. Man kennt dieses Buch in und auswendig, aber es ist etwas anderes, ein fertiges Werk in seinen Händen zu haben und das noch auf aramäisch.

 

HA: Hast du schon weitere Pläne, Ideen für neue Spiele? Meine Projekte müssen erst einmal ruhen, da ich mein Studium (Sozialpädagogik) erst beenden muss.

MÜ: Ich habe zwei weitere Ideen im Hinterkopf, aber zuerst muss erst einmal „Hzay u Ilaf“ weltweit verbreitet werden und dann kommt die nächste Idee dran. Ein Spiel zu entwickeln ist sehr anspruchsvoll. Es sind 100 Kleinigkeiten auf die man achten muss. Unser Wortlernspiel besteht aus zig- Kleinteilen, die wir alle von Hand falten und einsetzen. Es ist also richtig „Made in Germany“.

HA: Du hast mit deinem Spiel auch an einen guten Zweck gedacht.

MÜ: Mit meinem Spiel möchte ich einen Teil der Einnahmen dem Kloster Mor Gabriel zu kommen lassen und der Kirche Mor Fetrus und Favlus in Adiyaman. Warum gerade die beiden? Mor Gabriel ist unser wichtigster „Stützpunkt“ im Turabdin, das unseren Jungen aus den Dörfern eine Chance bietet, Abitur zu machen und zu studieren. Mir ist wichtig, dass diese gute Arbeit fortgesetzt wird. Erzbischof Malke Ürek in Adiyaman ist Seelsorger vieler Gemeinden um Adiyaman herum und benötigt ebenso unsere Unterstützung für seine gute Arbeit.

 

MÜ: Wie sieht es bei dir aus, was machst du mit den Einnahmen?

HA: Da ich das Glück hatte, viele Sponsoren zur Verfügung zu haben, werden die Erlöse in einen Topf fließen und für weitere Projekte verwendet. Es ist eine gute Anlage für kommende Projekte.

 

MÜ: Haben wir ein Schlusswort von Eric Carle, dem Autor der kleinen Raupe Nimmersatt für unser Gespräch?

HA: Also Eric Carle war begeistert, ich habe ihn utopischerweise auch zu meiner Buchpräsentation nach Kirchardt eingeladen. Leider konnte er aus Alters- und Entfernungsgründen nicht kommen. Eric Carle ist 80 Jahre alt und lebt in Amerika. Er hat mir aber eine nette E-Mail geschickt mit folgenden Worten: „Jesus hätte den Kindern sicher gerne die Geschichte der kleinen Raupe Nimmersatt auf aramäisch erzählt“.

Das Buch kostet 9,90 Euro und ist über Havo Akyüz erhältlich:

Kontaktdaten: Havo Akyüz

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

Hzay u Ilaf kostet 15 Euro und ist über Martina Ürek

www.lebonoye.de erhältlich

 

 

 

 

 

 
Mit Hzay u Ilaf spielerisch die syrisch-aramäische Muttersprache lernen
Geschrieben von: Martina Ürek   
Mittwoch, den 21. April 2010 um 16:13 Uhr

In der Fülle der Neuerscheinungen an meist liturgischen, kirchlichen Büchern ist dieses Spiel einzigartig.

Die Idee dazu hatte Martina Ürek. Die Umsetzung übernahm das Media Center in Stuttgart, ein Verein, der aus der Hochschule der Medien entstanden ist. Die Stuttgarter fanden die Idee zur Umsetzung des Wortlernspiels so gut, dass sie sich bereit erklärten die Finanzierung zu übernehmen.

Freunde weltweit halfen bei der Umsetzung. Von grafischer Gestaltung war es Jaime Portaleoni, einem spanischen Lehrbuch- Illustrator der sich den 35 Worten annahm und bildlich gestaltete. Das Ergebnis sind 35 handgefertigte Zeichnungen, die die Grafikerin Alexa Lindig druckfertig umsetzte.

Kindgerechte Worte, die von den Erzieherinnen Barbara Dwischi und Rahel Üstün ausgesucht worden sind, wurden zuerst in lateinischen Worten aufgeschrieben. Yuhanun Garis vom Kloster Mor Gabriel in der Türkei übersetzte diese in die Syrische Schriftsprache, diese wurden von Savmi Önder und Josef Önder in Göppingen mehrere Male Korrektur gelesen und umgesetzt.

Insgesamt dauerte die Umsetzung mehrere Monate, die Umsetzung der syrisch-aramäischen Schriftzeichen erforderte das meiste Geschick. So musste die Grafikerin Alexa Lindig mehrere Varianten ausprobieren, bis sie letztendlich die Schriftzeichen eins zu eins unter die Bilder setzen konnte.

Die Produktion wurde von Firmen wie Schiettinger Kartonagen in Göppingen und Geiger Druck in Korntal vorgenommen. Die Schachteln, Einsätze und die Karten wurden in Handarbeit einsortiert. Die Farben und das Logo wurden bewusst abgestimmt, braun für die Erde des Turabdins, die Heimat der meisten syrisch-orthodoxen Christen in der Diaspora und passend zur Homepage des Spiels www.lebonoye.de

Mehrere Bischöfe wie der Bischof der Diözese Turabdin , Mor Timotheus Samuel Aktas, der Bischof Deutschlands, Mor Yulius Hanna Aydin, der Bischof der Niederlanden Mor Polycarpus Augin Aydin und der Bischof von Adiyaman Mor Gregorius Melke Ürek dankten den Machern für dieses Lernspiel in der Diaspora und empfehlen dieses zum Erhalt der Sprache.

Erste Erfolge waren unter anderem die Einführung in syrisch-aramäischen Sprachunterricht in Örebro, Schweden- eine Spendenaktion nach Adiyaman und in den Turabdin für den muttersprachlichen Unterricht. Jedes Dorf im Turabdin hat inzwischen ein Spiel für den Unterricht zur Verfügung. Kinder, Jugendliche und Erwachsene weltweit erfreuen sich mitlerweile an diesem Wortlernspiel. Ein Teil der Einnahmen gehen an das Kloster Mor Gabriel in den Turabdin, sowie an die Dioszese Mor Fetrus und Mor Favlus nach Adiyaman.

Ehrenamtliche Vertreter in der Schweiz, in Österreich, in Schweden und in den Niederlanden sorgen dafür, daß dort auch Spiele zum Verkauf zur Verfügung stehen. Das Spiel ist für 15,00 Euro über www.lebonoye.de erhältlich.

 

 

 

 

 
"Genocide is a hard word"
Geschrieben von: Martina Ürek   
Freitag, den 26. März 2010 um 19:00 Uhr

Dr. Tessa Hofmann, Menschenrechtlerin und Wissenschaftlerin wohnt in Berlin-Friedenau, einer ehemals ländlichen Kolonie außerhalb Berlins. Ihre Wohnung verleiht einem das Gefühl zu Hause anzukommen: Hohe Wände mit Stuckdecken, volle Bücherschränke, gemütliche Möbel und ein warmer Kachelofen. Auf dem Tisch stehen Gebäck und ein Stövchen mit einer Teekanne bereit.


Die 60jährige hat eine schlechte Nacht hinter sich, ihre Mutter ist am Vortag nach langer Krankheit gestorben. Man sieht es ihr an, die grünen Augen sind von dunklen Augenringen umrandet. Ihre Mutter war in einem nahegelegenen Pflegeheim untergebracht, in bequemer Fußnähe. Dennoch musste Frau Hofmann feststellen: „Nicht einmal verabschieden konnte ich mich“. Für sie, die sich aufopferungsvoll um ihre Mutter gekümmert und sich zusätzlich jeden Tag mit der schweren Geschichte des Völkermords von 1912 bis 1922 an Armeniern, Griechen, Aramäern und Assyrern auseinander setzt, ist das Interview eine willkommene Ablenkung.

 

Als Wissenschaftlerin untersucht sie die Ursachen und Wirkungen eines Genozids, der bekannt und doch für viele ein Tabuthema ist. Das „schwere G-Wort“ wie sie immer und immer wieder sagt, ist in der Türkei ein Unwort. Denn den Genozid an der armenischen, syrisch- und griechisch-orthodoxen Bevölkerung in der Türkei in den Jahren von 1912 bis 1922, also zu Zeiten des ersten Weltkriegs, hat es nach türkischer Geschichtsschreibung nicht gegeben. Augenzeugenberichte, die der deutsche Theologe und Missionar Dr. Johannes Lepsius sammelte und editierte, darunter die zahlreichen und ausführlichen Berichte deutscher Diplomaten im Osmanischen Reich, widerlegen allerdings die türkische These ebenso wie die Berichte christlicher Überlebender.

 

Tessa Hofmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, über das anhaltende Tabu aufzuklären. Eines liegt ihr besonders am Herzen: „Ich will Zeugnis ablegen, mit Hilfe von Augenzeugenberichten und Erzählungen der nachkommenden Generationen, dem Aufspüren von neuen Quellen und deren Herkunft.“ Sie will Menschen informieren, die mit diesem Thema zögerlich umgehen, die es nicht wagen, offen über das Massenverbrechen des spätosmanischen Staates an seinen christlichen Bürgern zu sprechen

 

Sie erzählt über eine türkische Bekannte, die Schwieirgkeiten damit hat, das Wort Genozid in den Mund zu nehmen. Diese Frau erkennt den Völkermord zwar an, weiß aus der Lektüre der vielen Berichte, dass es ihn gegeben hat und dass es ein Fehler ist, ihn zu leugnen. Aber die Tochter aus einer kemalistischen Familie befürchtet, dass schwerwiegende Folgen drohen könnten, sollte sie ihre Freunde und Landsleute mit diesem Thema konfrontieren. Sie meint, dass die Fakten für sich selbst sprechen und dass es keiner expliziten Stellungnahme oder Bezeichnung bedarf.

 

Frau Hofmann sieht das anders: Sprache muss deutlich und genau sein, gerade wenn von dem schlimmsten Verbrechen der Menschheit die Rede ist. Aufarbeitung bedeutet stets auch eine Wiedergutmachung für die Opfer, die Überlebenden und deren Nachfahren. Es ist nicht nur Frau Hofmanns türkische Bekannte, die sich mit dem Gebrauch des Wortes Genozid schwer tut. Auch andere türkische Intellektuelle, Wissenschaftler und sogar die in Istanbul ansässige armenische Zeitung AGOS versuchen das Wort zu vermeiden. Man umschreibt das „G-Wort“ lieber. Armenier nennen es „großes Verbrechen“ die Pontos-Griechen „die große Katastrophe“ oder, wie es die syrisch-orthodoxen Christen nennen, das Schwert“. Selbst die Betroffenen und Hinterbliebenen meiden das Wort „Genozid“, der Schrecken der damaligen Zeit sitzt tief.

 

Die Menschenrechtlerin steht auf und holt das 1933 erschienene Buch „Die vierzig Tage des Musa Dagh“ des österreichisch-jüdischen Autors Franz Werfel, aus ihrem Bücherschrank. Dieses Buch war ihre Hofmanns erste Begegnung mit dem Völkermord. Ihr Vater, ein Fremdsprachenkorrespondent, der unter anderem Schwedisch, Norwegisch, Spanisch, Französisch und Englisch sprach, erzählte bei einem der gemeinsamen sonntäglichen Familienessen davon. „Ich war damals 11 oder 12 Jahre alt. Werfels ‚40 Tage des Musa Dagh` war früher deutsches Kulturgut und gehörte in jedes Haus.“

 

Taner Akcam, Sozialwissenschaftler und ein weiterer Bekannter aus der Türkei, der sich ebenfalls der Genozidaufbearbeitung verschrieben hat, fragte in einem seiner Werke: „Muss die Türkei auf die Couch?“ Eine berechtigte Frage, findet Frau Hofmann. „Unter den Teppich kehren läßt sich Geschichte auf Dauer nicht. Sie taucht immer wieder auf, wenn auch in verqueren Formen.“ Ihre Devise: Unermüdlich Aufklärungsarbeit leisten, allen Entstellungs- und Verfälschungsversuchen zum Trotz. Immer wieder auf Tatsachen und Zusammenhänge aufmerksam machen, sei es mit der Herausgabe von Publikationen, Vorträgen, Lesungen, öffentlichen menschenrechtlichen Interventionen oder der Initiative zur Errichtung eines Mahnmals in Berlin. Sie will dafür sorgen, dass die vielen unbekannten Toten Namen bekommen, dass Gedächtnis an sie in den öffentlichen Raum geholt wird, die Informationen über die Art ihres Todes Verbreitung findet und Vergangenes aufgearbeitet wird, um künftige Massenmorde zu verhindern.


Dass ihre Arbeit auch staatlich und international anerkannt wird, beweist indirekt ein Bundestagsbeschluss von 2005. Im Antrag dazu wurde „die unrühmliche Rolle des Deutschen Reiches, das angesichts der vielfältigen Informationen über die organisierte Vertreibung und Vernichtung von Armeniern nicht einmal versucht hat, die Gräuel zu stoppen“ bedauert. Der Bundestag verabschiedete diesen Beschluss am 15. Juli 2005 einstimmig. Als Begründung wurde auf über eine Million Opfer verwiesen und angeführt, dass zahlreiche unabhängige Historiker, Parlamente und internationale Organisationen die Vertreibung und Vernichtung der Armenier als Völkermord bezeichnen.

 

Viele Menschen danken Frau Hofmann für ihr unermüdliches Engagement, persönlich und auch von Seiten der betroffenen Staaten. Als versierte Kennerin der armenischen Sprache, der Literatur und des Landes ist sie Trägerin mehrerer armenischer Auszeichnungen. Dazu zählen eine Honorarprofessur an der Hrachia Ajarian Universität in Jerewan und der Garbiz Papazian-Preis, der ihr von der Armenian General Benevolent Union (New York) verliehen wurde; diese ist die älteste und größte wohltätige Stiftung der armenischen Diaspora. Als der Preis 1988 gestiftet wurde, war Tessa Hofmann die erste, die damit geehrt wurde.

 

Als Ehrenmitglied der Gesellschaft für bedrohte Völker, des Zentralrats der Armenier in Deutschland sowie als Trägerin weiterer zahlreicher Auszeichnungen fühlt sie sich in ihrer Arbeit bestätigt. Die Mitbegründerin und Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Arbeitsgruppe Anerkennung gegen Genozid für Völkerverständigung e.V. (AGA) lebt nach dem Motto: „Weiter machen, immer weiter machen.“

Persönliches:

Dr.phil. Tessa Hofmann, geb. am 15. Dezember 1949 in Bassum/Grafschaft Hoya

Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Russisch, Polnisch, Serbisch, Armenisch

Frau Hofmann ist verheiratet mit Lampros Savvidis, einem Pontos-Griechen

Werdegang:

Studium der Slawischen Literaturen und Sprachen (Doppelhauptfach), Armenistik und Soziologie an der Freien Universität Berlin

Auslandsforschungsaufenthalt an den Staatsuniversitäten St. Petersburg, Jerewan und Tbilissi

1982 Promotion („Das Bauernthema in der sowjetrussischen Prosa der 20er Jahre: Konzeptionen, Konflikte, Figuren“)

Seit 1983 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Osteuropa-Institut der FU Berlin (bis 2005 als wissenschaftliche Dokumentarin); seit 2005 Forschungsassistentin am Lehrstuhl für Osteuropäische Soziologie

Buchveröffentlichungen (Auswahl):

- Annäherungen an Armenien: Geschichte und Kultur. München: Beck, 1997; 2007

- (Hrsg.): Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Christen im Osmanischen Reich 1912-1922. Münster: Lit. Verlag, 2004; 2007

- Armenier in Berlin - Berlin und Armenien. Berlin: Berliner Senat, Der Beauftragte für Integration und Migration, 2005

- (mit Andreas Wolfensberger): Armenien - Stein um Stein. Bremen: Edition Temmen, 2001; 2005

- (Hrsg.): Das Verbrechen des Schweigens: Die Verhandung des türkischen Völkermordes an den Armeniern vor dem ständigen Tribunal der Völker. Göttingen: Gesellschaft für bedrohte Völker, 1985

Die Christen in der Türkei, „pogrom-bedrohte Völker“, 40. Jg., Nr. 253, 2009

Auszeichnungen:

1988 Garbis Papazian Award, Armenian General Benevolent Union (New York)

2002 Honorarprofessur der Hrachia Ajarian Universität in Jerewan

2005 Medaille für Studien an dem Genozid gegen die Armenier, verliehen vom Nationalmuseum und Institut des armenischen Genozids, Jerewan

2009 Ehrenmitglied der Gesellschaft für bedrohte Völker

 

 
Syrisch-orthdoxe Christen in Göppingen begrüßen Erzbischof aus dem Turabdin
Geschrieben von: Martina Ürek   
Dienstag, den 16. März 2010 um 09:29 Uhr

Sonntag, 14. März 2010

Die Stiftskirche in Faurndau bei Göppingen ist voll. Die ca. 500 Gläubigen der syrisch-orthdoxen Kirchengemeinden von Göppingen und Umgebung wollen den „Helden des Turabdin“ (Berg der Knechte Gottes- im Südosten der Türkei- hier leben noch ca. 400 christliche Familien) sehen. Seine Eminenz, der Erzbischof Mor Timotheus Samuel Aktas und seine beiden Begleiter, die beiden Lehrer des Klosters Isa Gülten und Isa Dogdu sind auf Einladung der Evangelischen Landeskirche Württembergs zu Gast in Stuttgart. Auf der Frühjahrstagung der Landessynode berichtet seine Eminenz von den Vorgängen und seinen Sorgen um das Kloster Mor (Sankt) Gabriel. Bei der Tagung der Solidaritätsgruppe Turabdin in Nürnberg konnten Sie ebenso von den aktuellen Problemen um das Kloster berichten.

Wenn es nach der türkischen Regierung und der kurdisch-arabischen Bevölkerung der Nachbardörfer gehen soll, soll das Kloster Mor Gabriel den syrisch-orthdoxen Christen enteignet werden und verstaatlicht werden. Mehrere Gerichtsprozesse von 2008 an bis jetzt haben die Klosterbewohner um ihren Erzbischof überstanden. Der Bischof ist müde, er berichtet in seiner Predigt im Gottesdienst von seinen Sorgen, davon, das er nächtelang nicht geschlafen hat, seinen Gottesdienst nicht halten konnte, da er in Verhandlungen saß.

Aber er will nicht aufgeben. Er hat sich und seinen Verwaltern eine Verantwortung gegenüber der syrisch-orthoxen Kirchengemeinden im Turabdin auferlegt.

Mor Timotheus Samuel Aktas berichtet über den Neubau der Heizung, die großzügigerweise von der evangelischen Landeskirche finanziert wurde. In seiner Rede an die Gemeinde sagt er „ohne die Hilfe der großen Schwesterkirchen, hätten wir manche Probleme nicht lösen können. Seid dankbar, das ihre Kirchen hier in Deutschland nutzen könnt“. Dem Helden wird applaudiert. 25 Jahre ist er dieses Jahr im Amt und er hat viel gesehen. Das Kloster Mor Gabriel wäre ohne ihn nicht das, was es heute ist.

Die Muslimische Bevölkerung hat Anfang der siebziger Jahre die Klosterräume als Stallungen genutzt und dort ihre Pferde untergebracht. Das Schicksal wollte es anders. Mit dem damaligen jungen Abt, der Theologie unter anderem auch in New York studierte, blühte das Klosterleben wieder auf. Er ermöglichte vielen jungen Männern aus den umliegenden christlichen Dörfern eine klerale Ausbildung, sorgte dafür, das sie Stipendien bekamen und auch im Ausland studieren durften.

Viele der damaligen Absolventen sind Pfarrer und Lehrer für den muttersprachlichen Unterricht geworden. Dazu maßgeblich beigetragen hat auch einer der Begleiter des Bischofs. Lehrer Isa Gülten, der seit 25 Jahren dem Kloster treu dient, hat sein gesamtes Leben dort verbracht und ebenso wie der Erzbischof dazu beigetragen, das die damaligen Jungen ihre Ausbildung bekamen. So berichtete Pfarrer Melke Teber, auch ehemaliger Klosterschüler: „Ich erinnere mich noch daran, wie du Malfono (Lehrer) uns nach der Feldarbeit auf den Feldern des Klosters die Füße gewaschen hast, damit wir mit sauberen Füßen das Kloster betreten konnten. Und wie du für uns den Ofen mit Holz beheizt hast. Wir wollten dir die Arbeit abnehmen, aber du sagstest, ihr seit Schüler und ihr seid zum lernen hier, ich bin euer Lehrer, ich will für euch sorgen.“

Auch heute kann der Klosterbetrieb nur ablaufen, weil alles reibungslos klappt, die Lehrer den Bischof unterstützen und die Mönche sich um die Seelsorge im Kloster kümmern. Um das leibliche Wohl sorgen Nonnen, die 40 Jungen versorgen, die ihre Ausbildung im Kloster bekommen, es wird genäht, gewaschen, die Felder bestellt und die Tiere versorgt. Das Kloster ist Selbstversorger, der nicht abreissen wollende Besucherstrom kostet- auch die hohen Gerichtskosten, die das Kloster selber tragen muss.

Gebannt hören die vielen Gottesdienstbesucher dem Erzbischof zu. Es ist still. Er sagt: „Ich bin nicht euer Held, auch wenn ihr mich gerne so darstellt. Ich will euer Diener sein“, das sind die bescheidenen Worte des Mannes, der sich im Turabdin ein Denkmal gesetzt hat.

Er erzählt wie sehr es ihn gefreut hat, das die Demonstration in Berlin einen so großen Zusammenhalt hervorgerufen hat. „Eure Söhne und eure Töchter haben gerufen „Ich bin ein Sohn Mor Gabriels, oder ich bin eine Tochter Mor Gabriels. Wisst ihr, wie sehr ich mich gefreut habe? Schickt eure Söhne zur Ausbildung, wir bilden sie aus. Damit stiftet ihr einen Gedenkstein, im Kloster der 12.000 Heiligen, vergesst uns nicht“.









 
Szenische Lesung am 19. Februar in Berlin
Geschrieben von: Martina Ürek   
Donnerstag, den 18. Februar 2010 um 15:54 Uhr
Szenische Lesung in Berlin, organisiert von Dr. Tessa Hofmann, FU Berlin


 
Mor Gabriel Gerichtsprozess erneut verschoben
Geschrieben von: Martina Ürek   
Donnerstag, den 18. Februar 2010 um 15:22 Uhr
Auch in Ankara wird kein Urteil gefällt

Ankara, 17. Februar 2010
Kuryakos Ergün, Stiftungsvorsitzender des Klosters Mor Gabriel wird beschuldigt, die Mauer, die rund ums Kloster errrichtet worden ist, auf Grund und Boden der kurdischen Nachbardörfer gebaut zu haben. Das Kloster bestritt mehrere Prozesse, ohne das die Gerichte ein Urteil gefällt haben. Angeklagt hatten die kurdischen Nachbardörfer, die sich auf Grund des großen Landbesitzes des Klosters benachteiligt gefühlt haben.

Der Prozess soll am 5. Mai 2010 erneut stattfinden.

 
Das Schweizer Minarett-Urteil und die Folgen
Geschrieben von: Martina Ürek   
Mittwoch, den 09. Dezember 2009 um 12:08 Uhr

Das Schweizer Minarett-Urteil und die Folgen

Die Verkündung des Schweizer Votums gegen den Bau der Minarette in der Schweiz, hat weltweit für Wirbel und Unverständnis gesorgt. Vorallem die türkische Bevölkerung in Europa und in der Türkei fühlte sich angesprochen. So sprach Staatspräsident Abdullah Gül „von einer Schande für die Schweiz und Beispiel für Feindseligkeit gegenüber Muslimen in der westlichen Welt.“

Der Turabdin, ist ein Landstrich in der Südost-Türkei in dem noch 2000 syrisch-orthodoxe Christen leben und in dem die syrisch-orthodoxen Kirche zu Hause ist. Im Turabdin spricht die Bevölkerung turoyo, ein Dialekt der syrisch-aramäischen Sprache.

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Die Sekte Ashtar Sheran versucht Web-Communities der syrisch-orthodoxen Christen zu unterwandern
Geschrieben von: Martina Ürek   
Mittwoch, den 02. Dezember 2009 um 14:30 Uhr

Die New Age Bewegung „Ashtar Sheran“ und die Aufgabe der Kirche

Um sich einen Zugang in einer Community zu verschaffen, benötigt man lediglich einen Login. Welcher Betreiber kann angesichts der vielen Anmeldungen und Fantasienamen überprüfen, wer sich anmeldet? Vor allem, wenn die Namen aramäisch oder assyrisch klingen, dürfen die Betreiber davon ausgehen, daß es die „eigenen Landsleute“ sind und keine Fremden.

Im Fall der Sekte Ashtar Sheran, hat sich ein gewisser Ashtar einen Zutritt auf eine der größten Communities verschafft und einen Artikel mit dem Titel „Comming out der Lichtarbeiter“ veröffentlicht. Die Frage stellt sich, was die Sekte auf den syrischen Communities sucht? Mitglieder werben unter dem Vorwand des „Assyrertums“?

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Aktuelles zum Mor Gabriel Prozess
Geschrieben von: Martina Ürek   
Mittwoch, den 02. Dezember 2009 um 14:26 Uhr

Wie die Klosterleitung berichtet, ist der für den 2.Dezember 2009 anberaumte Gerichtsprozess gegen den Stiftungsvorsitzenden Kuryakos Ergün, wurde verschoben.

Anklagepunkt ist die angeblich „illegal errichtete Klostermauer“ auf dem Grundstück des Klosters. Die Klostermauer wurde zum Schutz vor Eindringlingen errichtet.

Neuer Gerichtstermin in Ankara ist der der 17. Februar 2010

 
Frühlingsgefühle in der SPD
Geschrieben von: Martina Ürek   
Dienstag, den 17. November 2009 um 11:50 Uhr

Ein Versuch der Partei sich neu zu (er-)finden

„Der Frühling lässt sein blaues Band wieder flattern in den Lüften,“ Mörikes Zitat scheint das Motto der neuen Führungsspitze der SPD zu sein, die sich in diesen Tagen neu formiert. Neuer, jünger und auf die alten sozialdemokratischen Werte besinnend wollen sie sich präsentieren.

Sigmar Gabriel, neuer Vorsitzender der SPD ist optimistisch: "Wir müssen dahin, wo's anstrengend ist", so der 50-jährige am Rande des Parteitags in Dresden. Die SPD war zu lange „Mitläufer“ der CDU. Ihre Anhänger hat sie sich vergrault, da sie die Politik nicht nahe am Menschen gestaltet hat, sondern mit Firmen, Banken und Managern.

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Aufruf zur Petition- Mor Gabriel Prozess am 10.11.09
Geschrieben von: Martina Ürek   
Sonntag, den 08. November 2009 um 13:43 Uhr

Die Türkei, die EU und das Kloster Mor Gabriel

Gerichtsprozess gegen das Kloster Mor Gabriel in Ankara fortgesetzt.

Neue Umgangsformen in der Türkei. Die EU-Beitrittsverhandlungen sind auf Eis gelegt. Zwölf Jahre hat die EU die Türkei vertröstet, nun schlägt das Land eine andere Richtung ein.

Der neue freundschaftliche Umgang mit dem Iran, hier insebesondere um den amtierenden Ahmadinejad lässt die anderen NATO-Staaten aufhorchen. Kritisiert wurde Erdogan dennoch nicht. Militärübungen mit dem Nachbarstaat Syrien im syrisch-türkischen Grenzgebiet, zunehmdender Fanatismus im laizistischen Staat. Die Türkei steuert mit ihrer Politik den Kurs eines Osmanischen Reichs an.

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Aus aktuellem Anlass
Geschrieben von: Martina Ürek   
Donnerstag, den 29. Oktober 2009 um 00:00 Uhr

Das Hzay u Ilaf Team vom Media Center in Stuttgart hat beschlossen, einen Teil des Verkaufserlöses an die Kirchengemeinde St. Petrus und St. Paulus für die umfassende Renovierung der Kirche zu spenden. Anbei der Hirtenbrief des Erzbischofes:

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Buchtips
Geschrieben von: Martina Ürek   
Mittwoch, den 28. Oktober 2009 um 19:50 Uhr

Christentum und Islam

ISBN Autor Titel Verlag
3-417-11082-3 Tröger, Eberhard Kreuz und Halbmond Was Christen vom Islam wissen sollten Brockhaus
3-491-69030-7 Kuschel, Karl-Josef Streit um Abraham Was Juden, Christen und Muslime trennt und was sie eint Patmos
3-8333-0050-7 Jelloun, Tahar Ben Papa, was ist ein Fremder BVT
3-491-75633-2 Trutwin, Werner Die Weltreligionen Islam Patmos
Welt und Umwelt der Bibel Von Jesus zu Muhammed Die Ausbreitung des arabisch-islamischen Reichs Kath.Bibelwerk
3-10-031832-3 Hourani, Albert Die Geschichte der arabischen Völker Fischer Verlag
3-534-09217-6 Haussig, Hans-Wilhelm Die Geschichte Zentralasien und der Seidenstrasse in Islamischer Zeit Wissensch.Buch
3-424-01498-2 Henning, Max Der Koran Sonderausgabe gebunden Diederichs
3-86093-274-8 Luxenberg, Christoph Die Syro-Aramäische Lesart des Koran Ein Beitrag zur Entschlüsselung der K-Sprache Arabische Buch
3-423-11734-6 Naipaul, V.S. Eine islamische Reise DTV
3-546-00319-5 Naipaul, V.S. atlas der Weltreligionen Claassen
EKD Texte Bd. 78 Bedrohung der Religionsfreiheit Erfahrung von Christen in verschiedenen Ländern EKD
National Geographic Atlas der Weltreligionen National Geogr.
3-8062-1580-4 Cassanelli, Roberto Von Mohammed bis zu Kartl dem Grossen Aufbruch ins Mittelalter Theiss Verlag
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Wer sind wir- und wo wollen wir hin?
Geschrieben von: Martina Ürek   
Samstag, den 13. Juni 2009 um 14:21 Uhr

Ein Blick in die Foren unserer Communities zeigt, das seit den Gerichtsprozessen von Mor Gabriel vermehrt über die Identität gesprochen. Verschiedene Vereine bezeichnen sich als Assyrer, manche als Aramäer, und diejenigen die sich neutral verhalten wollen- als Suroyoye.

Bevor wir uns fragen wohin wir wollen, sollten wir klären, woher wir kommen.

Es ist wichtig, das die Menschen um ihre Wurzeln wissen. Weiß man diese nicht, so kann man auch nicht wissen, wohin man will. Woher kommen wir, wer sind unsere Vorfahren?

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Quo Vadis Suryoye- Mor Gabriel ein Politikum?
Geschrieben von: Martina Ürek   
Sonntag, den 24. Mai 2009 um 14:02 Uhr
Endlich ein Hoffnungszeichen! Das Kloster gewinnt den ersten Gerichtsprozess gegen die umliegenden Dörfern. Nach einer bitteren Zeit für die Klosterbewohner, Aktivisten und den Menschen im Turabdin, blicken wir nach vorne. Mit einem Beigschmack. Diverse Presseverlautbarungen unserer großen Vereine lassen einen hellhörig werden.

Es ist das Superwahljahr in Deutschland. Und man stelle sich vor- es wird über Mor Gabriel, der Turabdin und die syrisch-orthodoxen Christen offen diskutiert. Alle Fraktionen des deutschen Bundestages haben ein Dokument unterzeichnet, in dem die Anerkennung der syrischen Christen als Minderheit gefordert wird.

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Rettet Mor Gabriel über alle Grenzen hinweg
Geschrieben von: Martina Ürek   
Donnerstag, den 14. Mai 2009 um 21:20 Uhr

Rechtsanwalt David Gelen, Bundesvorsitzender der Föderation der Aramäer (Suryoye) in Deutschland im Gespräch mit Martina Ürek, Schülerin der Deutschen Fachjournalistenschule, Berlin.

MÜ: David, kannst du uns die aktuelle Situation des Kloster Mor Gabriel schildern?

D.G: Im Moment finden verschiedene Gerichtsverhandlungen statt. Es sind mittlerweile vier Verfahren: Einmal um die Gemeindegrenzen zwischen dem Kloster und den Nachbardörfern, ein Waldverfahren und ein Verfahren um die nicht bewirtschafteten Flurstücke des Klosters. Diese können nach türkischem Recht ebenso enteignet werden wie Wald. Das letzte Verfahren ist ein Strafverfahren und richtet sich gegen den Stiftungsvorsitzenden Kuryakos Ergün. Diese Anzeige existiert wegen der angeblich illegal errichteten Mauer um das Kloster in den 90er Jahren. Diese ganzen Verfahren begannen im Sommer des letzten Jahres und rein juristisch gesehen ist bis jetzt noch nichts erreicht worden.

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Interview mit Hasyo Saliba Özmen
Geschrieben von: Martina Ürek   
Freitag, den 13. März 2009 um 10:39 Uhr

Interview mit Mor Filiksinus Saliba Özmen am Rande der Evangelischen Landessynode in Stuttgart

Mor Filiksinus Saliba Özmen, Erzbischof von der Diözese Mardin-Diyarbakir ist 44 Jahre alt. Zu seiner Diözese gehören ca. 140 Familien, die in den Städten Mardin und Diyarbakir und in den Dörfern Binebil und Kelith leben.

MÜ: Eure Eminenz, wie sehen Sie im Moment die derzeitige Lage unseres Volkes unter dem Aspekt der Probleme des Klosters Mor Gabriels?

HS: Natürlich sind wir alle sehr traurig, was die Probleme des Klosters betreffen. Aber wir sind auch erfreut, welcher Ruck durch unser Volk ging. Auf einmal halten alle zusammen und der Name spielt keine Rolle mehr.
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Mor Gabriel ein Politikum?
Geschrieben von: Martina Ürek   
Dienstag, den 24. Februar 2009 um 18:58 Uhr
Beobachtet man von Europa aus das Geschehen um das Kloster Mor Gabriel, so stellt man schnell fest, das es nicht um die Existenz des Klosters geht, sondern um viel mehr.

Es sind wie in Deutschland auch in der Türkei Kommunalwahlen. Kommunalwahlen nach demokratischen Recht existieren nur auf dem Papier. In Wirklichkeit herrscht das Feudalsystem. Die Regionen um den Turabdin werden von sogenannten Aghas regiert. Diese wiederum befehligen die Dorfwächter, die meist aus Kurden bestehen. Wie will man Wahlen gewinnen, wenn man den Menschen in der Region "Kurdistan" den Menschen kaum Versprechen machen kann?
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Demonstration am 25. Januar in Berlin
Geschrieben von: Martina Ürek   
Montag, den 26. Januar 2009 um 20:20 Uhr
20.000 syrisch-orthodoxe Christen demonstrieren für den Erhalt ihres Klosters St. Gabriel vor dem Brandenburger Tor

Sie kamen aus Füssen, Hamburg, Giessen, Paderborn, Frankfurt und vielen anderen Städten Deutschlands. Kinder, Jugendliche und Erwachsene reisten mit ihren Gemeindepfarrern nach Berlin an- und an der Spitze der Bischof. Mor Yulius Hanna Aydin, Erzbischof von Deutschland, hat seine Kirchengemeinden, aramäische und assyrische Vereine in Deutschland an einen Tisch gesetzt und die "Aktion Mor Gabriel" für den Erhalt des Klosters  St. Gabriel ins Leben gerufen.

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Aktuelles aus dem Turabdin
Geschrieben von: Martina Ürek   
Donnerstag, den 15. Januar 2009 um 12:18 Uhr
Die gegenwärtige Situation der syrisch-orthodoxen Christen in der Türkei

Das 1600 Jahre alte Kloster St. Gabriel soll nach dem Willen der kurdisch-arabischen Bevölkerung enteignet und geschlossen werden. St. Gabriel, geistiges Zentrum der syrisch-orthodoxen Christen weltweit, liegt im Gebiet Turabdin (Berg der Knechte Gottes) in der Südost-Türkei.

Human Arabica, Kaufmann aus einem Dorf im Turabdin, beantwortet die Fragen von Martina Ürek, Schülerin der Deutschen Fachjournalisten Schule in Berlin.

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1600 Jahre altem syrisch-orthodoxem Kloster droht die Enteignung
Geschrieben von: Martina Ürek   
Freitag, den 19. Dezember 2008 um 13:35 Uhr

Im Streit um das Kloster St. Gabriel, eines der ältesten intakten Klöster weltweit hat die türkische Justiz am 29. August 2008 eine folgenschwere Endscheidung getroffen. Danach soll das Kloster in dem derzeit 60 Personen leben, zu Gunsten der benachbarten kurdisch-arabischen Dörfern enteignet werden.

Als Begründung für diese Endscheidung führt die Justiz an:

  • Das Kloster beherbergt die oben erwähnten Internatsschüler, dem Kloster wird vorgeworfen, Kinder im Alter von 10-12 Jahren zu missionarischen Tätigkeiten zu erziehen.

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Wer sind die syrisch-orthodoxen Christen?
Geschrieben von: Martina Ürek   
Dienstag, den 18. November 2008 um 23:33 Uhr

Die Kirche in ihren Wurzeln:

Die syrisch-orthodoxe Kirche beruft sich auf die Apostelgeschichte in der es heißt, in Antiochia wurden die ersten Christen, Christen genannt. Antiochia war zu dieser Zeit, in der Petrus und Paulus missionierten, ein wichtiger Dreh und Handelpunkt im Orient. Die Urfahren der syrisch-orthodoxen Christen waren Aramäer. Aramäisch die Handelssprache im alten Testament. Jesus sprach einen aramäischen Dialekt, Galiläische Aramäisch. Die Aramäer lebten in Stadtstaaten, wie Damaskus, Beirut, Tyros, Tripolis und Baalbeck. Durch die Kriege mit den Nachbarstaaten, wie Assyrer, Phönizier und später Persern kam es immer wieder zu Vertreibungen, deshalb auch die Ansiedlungen der Aramäer in Kleinasien.

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